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Online & Recht

Fachkräfte und Lehrlinge über die Website finden: die Karriereseite für Handwerksbetriebe

Aufträge gibt es genug, nur niemanden, der sie ausführt: So geht es vielen Elektro-, SHK- und Baubetrieben in Österreich und Deutschland. Eine gute Karriereseite ersetzt keine fairen Arbeitsbedingungen, aber sie sorgt dafür, dass Gesell:innen, Monteur:innen und Lehrlinge davon erfahren. Dieser Ratgeber zeigt, was Bewerber:innen wirklich wissen wollen, welche Angaben Pflicht sind und wie Ihre Stellen auch bei Google und in den Jobbörsen auftauchen.

8 Min. LesezeitStand: November 2026

Für:Alle Gewerke
Lehrlinge in einer Ausbildungswerkstatt schleifen Metallteile

Das Wichtigste in Kürze

  • Bewerber:innen wollen zuerst wissen: Was verdiene ich, wann arbeite ich, wo arbeite ich, mit wem? Beantworten Sie das auf der Karriereseite konkret.
  • In Österreich müssen Stelleninserate das kollektivvertragliche Mindestentgelt nennen. In Deutschland ist eine Lohnangabe bisher freiwillig, aber ein starkes Argument.
  • Für Lehre (AT) bzw. Ausbildung (DE) gehören Lehrlingsentschädigung bzw. Ausbildungsvergütung, Berufsschule und Schnuppertage auf die Seite.
  • Eine Kurzbewerbung per Formular oder WhatsApp in zwei Minuten bringt deutlich mehr Rückmeldungen als „Bewerbung mit Lebenslauf und Zeugnissen“.
  • Mit JobPosting-Markup erscheinen Ihre Stellen in der Google-Jobsuche. Dazu kommen die kostenlosen Börsen von AMS und Bundesagentur.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorschriften ändern sich: Prüfen Sie Details bei Ihrer Wirtschafts- oder Handwerkskammer, Ihrer Innung oder Ihrer Steuerberatung.

Warum die eigene Website für die Personalsuche zählt

Wer sich für Ihren Betrieb interessiert, egal ob über ein Inserat, einen Freund oder den Firmenbus an der Ampel, schaut als Nächstes auf Ihre Website. Findet er dort nur „Wir suchen engagierte Mitarbeiter (m/w/d)“, ist das Interesse schnell weg. Findet er Lohn, Arbeitszeiten, Fotos vom Team und einen einfachen Weg zur Bewerbung, ruft er an. Die Karriereseite ist das Ziel, auf das alle anderen Kanäle verweisen.

Was Bewerber:innen wissen wollen

Ein Geselle, der seit fünf Jahren im selben Betrieb ist, wechselt nicht wegen eines schönen Leitbilds. Er wechselt, wenn er sieht, dass es woanders besser ist: mehr Geld, kürzere Fahrtzeiten, ein freier Freitagnachmittag, moderneres Werkzeug, die Chance auf den Meister. Schreiben Sie das so konkret wie möglich auf.

Inhalte einer Stellenanzeige im Handwerk
ThemaKonkret statt allgemein
Lohn„Ab … Euro brutto pro Monat, je nach Erfahrung mehr“ statt „leistungsgerechte Bezahlung“
Arbeitszeit„Mo bis Do 7 bis 16 Uhr, Fr 7 bis 12 Uhr, Überstunden werden bezahlt oder als Zeitausgleich gutgeschrieben“
Einsatzgebiet„Baustellen im Umkreis von 40 km, keine Montagewochen“
Firmenauto„Eigener Firmenbus, auch für den Weg nach Hause“ (nur wenn es stimmt)
Werkzeug und Kleidung„Akku-Werkzeug von …, Arbeitskleidung wird gestellt und gewaschen“
Weiterbildung„Wir zahlen Herstellerschulungen und unterstützen Sie bei der Meisterprüfung“
Team„8 Leute, davon 2 Lehrlinge, Frühstück am Montag gemeinsam“

Schreiben Sie Stellen geschlechtsneutral aus, zum Beispiel mit „(m/w/d)“ oder durch neutrale Formulierungen. Das verlangen in Österreich das Gleichbehandlungsgesetz und in Deutschland das AGG. Fotos, auf denen auch eine Elektrikerin oder eine Malerin zu sehen ist, sagen mehr als jede Klammer.

Lohnangabe: Pflicht in Österreich, Vorteil in Deutschland

In Österreich müssen Arbeitgeber in jeder Stellenausschreibung das für die Stelle geltende kollektivvertragliche Mindestentgelt angeben und darauf hinweisen, ob sie bereit sind, mehr zu zahlen (§ 9 Abs. 2 Gleichbehandlungsgesetz). Das gilt auch für die Karriereseite auf Ihrer Website und für Teilzeitstellen. Eine Formulierung wie „Das KV-Mindestentgelt für diese Stelle beträgt … Euro brutto pro Monat, Überzahlung je nach Qualifikation“ erfüllt die Pflicht. Bei Verstößen droht nach einer ersten Verwarnung eine Verwaltungsstrafe.

In Deutschland gibt es bisher keine allgemeine Pflicht, den Lohn in der Anzeige zu nennen. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970) verlangt, dass Bewerber:innen schon vor dem Gespräch Informationen zum Einstiegsgehalt oder zur Gehaltsspanne bekommen. Die Umsetzungsfrist ist im Juni 2026 abgelaufen, das deutsche Umsetzungsgesetz stand im November 2026 noch aus. Auch in Österreich können durch die Umsetzung weitere Pflichten dazukommen. Beobachten Sie die Entwicklung. Unabhängig davon gilt: Anzeigen mit Lohnangabe bekommen in der Praxis mehr und passendere Bewerbungen.

Lehrstelle in Österreich, Ausbildungsplatz in Deutschland

Jugendliche und ihre Eltern lesen anders als erfahrene Fachkräfte. Sie wollen wissen, was man im Betrieb lernt, wie die Berufsschule organisiert ist, ob man den Führerschein unterstützt bekommt und wie es nach der Ausbildung weitergeht. Und sie wollen sehen, wer die anderen Lehrlinge sind.

  • Österreich (Lehre): Die Lehrlingsentschädigung richtet sich nach dem Kollektivvertrag Ihres Gewerbes, nennen Sie den Betrag pro Lehrjahr. Erwähnen Sie die Möglichkeit „Lehre mit Matura“, Lehrabschlussprüfung und spätere Meister- oder Befähigungsprüfung. Wer zum ersten Mal Lehrlinge ausbildet, braucht die Feststellung als Lehrbetrieb durch die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer.
  • Deutschland (Ausbildung): Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung beträgt für Ausbildungen, die 2026 beginnen, 724 Euro brutto im ersten Jahr; für Ausbildungsbeginne 2027 sind 764 Euro angekündigt (Stand: November 2026). Tarifverträge können andere, meist höhere Werte festlegen. Ausbilden darf, wer fachlich und persönlich geeignet ist, im Handwerk in der Regel mit Meisterprüfung oder Ausbildereignung.
  • Beide Länder: Bieten Sie Schnuppertage oder ein Praktikum an, mit einem Formular, über das sich auch Eltern melden können. Viele Lehrverhältnisse beginnen mit einer Schnupperwoche.

Kurzbewerbung per Formular oder WhatsApp

Eine Fliesenlegerin, die abends nach der Baustelle auf dem Sofa Ihre Stelle sieht, schreibt kein Anschreiben und scannt keine Zeugnisse. Sie schickt eine Nachricht, wenn das in zwei Minuten geht. Bieten Sie deshalb eine Kurzbewerbung an: Name, Telefonnummer, Beruf bzw. Ausbildung, Erfahrung in Jahren und ein Feld „Wann können wir Sie am besten erreichen?“. Lebenslauf optional. Alles Weitere klären Sie beim Telefonat oder beim Probearbeiten.

Wenn Sie WhatsApp anbieten, nutzen Sie eine eigene Firmennummer und weisen Sie in der Datenschutzerklärung darauf hin. Bewerbungsdaten verwenden Sie nur für das Verfahren und löschen sie, wenn es abgeschlossen ist. Üblich ist eine Aufbewahrung von rund sechs Monaten nach einer Absage, wegen möglicher Ansprüche nach dem Gleichbehandlungsrecht. Wer Daten länger in einem Bewerberpool behalten will, fragt um Zustimmung.

Zwei Bauarbeiter mit Schutzhelm besprechen Pläne auf einem Klemmbrett
Echte Fotos aus dem Arbeitsalltag zeigen Bewerber:innen, wie es bei Ihnen zugeht.

Fotos vom Team

Stockfotos von lächelnden Models im Blaumann erkennt jeder Handwerker auf den ersten Blick. Zeigen Sie stattdessen Ihr echtes Team: in der Werkstatt, auf der Baustelle, beim gemeinsamen Grillen im Sommer, den Fuhrpark, die neue Hebebühne. Ein, zwei kurze Zitate von Mitarbeiter:innen („Ich bin seit meiner Lehre hier, jetzt mache ich den Meister“) wirken glaubwürdiger als jeder Werbetext. Holen Sie für Fotos und Zitate die schriftliche Einwilligung der Abgebildeten ein, siehe auch Referenzen und Bewertungen.

Google for Jobs: Stellen in der Google-Jobsuche

Wer bei Google „Elektriker Job Linz“ oder „Ausbildung Anlagenmechaniker Nürnberg“ sucht, sieht oft eine eigene Jobbox mit Stellen aus vielen Quellen. Auch Ihre Stellen können dort erscheinen, und zwar direkt von Ihrer Website, wenn jede Stelle eine eigene Seite mit strukturierten Daten vom Typ JobPosting hat. Google unterstützt das unter anderem in Österreich und Deutschland.

  • Pflichtangaben im Markup: Titel der Stelle, Beschreibung, Datum der Veröffentlichung, Arbeitgeber und Arbeitsort.
  • Empfohlen: Lohn (baseSalary, nur der echte Lohn des Arbeitgebers), Art der Anstellung (Vollzeit, Teilzeit, Ausbildung) und das Ablaufdatum (validThrough).
  • Aktuell halten: Besetzte Stellen sofort von der Website nehmen oder als abgelaufen markieren. Veraltete Anzeigen ärgern Bewerber:innen und können dazu führen, dass Google Ihre Stellen nicht mehr anzeigt.

Kostenlose Stellenbörsen und weitere Kanäle

Die Karriereseite ist die Basis, aber nicht der einzige Kanal. Diese Börsen sind für Betriebe kostenlos und werden von vielen Fachkräften und Lehrstellensuchenden genutzt:

Öffentliche Stellen- und Lehrstellenbörsen
BörseLandFür
AMS eJob-RoomATFachkräfte und Hilfskräfte, kostenlos, mit Zugriff auf Bewerberprofile
Lehrstellenbörse von AMS und WKOATOffene Lehrstellen
Jobbörse der Bundesagentur für ArbeitDEFachkräfte und Ausbildungsplätze, kostenlos
Lehrstellen-Radar der HandwerkskammernDEAusbildungs- und Praktikumsplätze im Handwerk, kostenlos über Ihre Kammer

Dazu kommen Kanäle, die nur Handwerksbetriebe haben: ein Aufkleber „Wir suchen Verstärkung“ mit QR-Code auf dem Firmenbus, ein Bauzaunbanner auf jeder Baustelle, ein Aushang in der Berufsschule und ein Prämienmodell für Mitarbeiter:innen, die jemanden empfehlen. Alle diese Kanäle verlinken auf dieselbe Karriereseite.

So setzen Sie die Karriereseite um

  1. 1

    Angebot klären

    Was können Sie wirklich bieten? Lohn, Arbeitszeiten, Auto, Werkzeug, Weiterbildung. Fragen Sie Ihr Team, warum es bei Ihnen arbeitet.

  2. 2

    Eine Seite pro Stelle

    Jede offene Stelle und jede Lehrstelle mit eigener Seite, konkreten Angaben und Lohnangabe.

  3. 3

    Kurzbewerbung einrichten

    Formular mit wenigen Feldern und, wenn betreut, WhatsApp-Kontakt.

  4. 4

    Fotos und Zitate

    Ein Fototag mit dem Team, Einwilligungen einholen, zwei bis drei kurze Zitate.

  5. 5

    Verbreiten

    Stellen in den Börsen eintragen, QR-Code auf Firmenbus und Bauzaun, Link im Google-Profil und in der E-Mail-Signatur.

Checkliste Karriereseite

  • Lohnangabe (in Österreich mit KV-Mindestentgelt und Hinweis auf Überzahlung)
  • Arbeitszeiten, Einsatzgebiet, Montagen ehrlich beschrieben
  • Firmenauto, Werkzeug, Kleidung, Weiterbildung konkret genannt
  • Geschlechtsneutrale Ausschreibung
  • Lehrstelle bzw. Ausbildungsplatz mit Vergütung und Schnuppertagen
  • Kurzbewerbung in zwei Minuten möglich
  • Echte Teamfotos mit Einwilligung
  • JobPosting-Markup und Ablaufdatum für jede Stelle
  • Stellen in AMS- bzw. Arbeitsagentur-Börse und Lehrstellenbörse eingetragen
  • Besetzte Stellen sofort entfernt

Wie die Karriereseite in den Rest Ihrer Website passt, steht im Ratgeber Was auf eine Handwerker-Website gehört. Wie Sie lokal gefunden werden, auch von Bewerber:innen aus der Region, erklärt Lokales SEO für Handwerker.

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Quellen

Kurz beantwortet

Fragen zu diesem Thema

Muss ich in einer Stellenanzeige den Lohn angeben?

In Österreich ja: Jede Ausschreibung muss das kollektivvertragliche Mindestentgelt für die Stelle nennen und angeben, ob eine Überzahlung möglich ist. In Deutschland gibt es bisher keine allgemeine Pflicht. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie wird hier aber neue Informationspflichten bringen, sobald sie umgesetzt ist.

Was verdient ein Lehrling bzw. Azubi im Handwerk?

In Österreich legt der Kollektivvertrag des jeweiligen Gewerbes die Lehrlingsentschädigung pro Lehrjahr fest. In Deutschland gilt die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, für Ausbildungsbeginne 2026 724 Euro brutto im ersten Jahr, Tarifverträge können andere Werte festlegen.

Wie komme ich mit meinen Stellen in die Google-Jobsuche?

Jede Stelle braucht eine eigene Seite auf Ihrer Website mit strukturierten Daten vom Typ JobPosting: Titel, Beschreibung, Veröffentlichungsdatum, Arbeitgeber und Arbeitsort, am besten auch Lohn und Ablaufdatum. Viele Website-Systeme und Jobbörsen erzeugen das automatisch.

Darf ich Bewerbungen per WhatsApp annehmen?

Ja, viele Betriebe machen das. Nutzen Sie eine eigene Firmennummer, nennen Sie WhatsApp in der Datenschutzerklärung und löschen Sie Bewerbungsdaten nach Abschluss des Verfahrens, üblicherweise rund sechs Monate nach einer Absage.

Wo kann ich kostenlos eine Stelle inserieren?

In Österreich im AMS eJob-Room und, für Lehrstellen, in der Lehrstellenbörse von AMS und WKO. In Deutschland in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit und für Ausbildungsplätze im Lehrstellen-Radar der Handwerkskammern. Dazu Ihre eigene Karriereseite und Ihr Google-Profil.

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