Das Wichtigste in Kürze
- Dachdecker (§ 94 Z 11 GewO) und Spengler (verbundenes Handwerk mit Kupferschmied, § 94 Z 64) sind zwei getrennte reglementierte Gewerbe mit eigener Meisterprüfung.
- Ergänzende Leistungen des anderen Gewerbes dürfen Sie nur in engen Grenzen erbringen: höchstens 15 % des Auftrags und 30 % des Jahresumsatzes (§ 32 Abs. 1a GewO). Wer regelmäßig beides macht, braucht beide Berechtigungen.
- Ab mehr als 3 m Absturzhöhe schreibt die Bauarbeiterschutzverordnung auf Dächern Absturzsicherungen oder Schutzeinrichtungen vor, bei steilen Dächern etwa Dachfanggerüste.
- Dachdeckerbetriebe stehen seit jeher im BUAG, Spenglerbetriebe seit 1. Jänner 2024 (ausgenommen Lüftungs- und Galanteriespengler).
- Eine Haftpflicht ist für Dachdecker:innen und Spengler:innen nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber unverzichtbar: Ein Wasserschaden nach undichtem Anschluss kostet schnell fünfstellig.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorschriften ändern sich: Prüfen Sie Details bei Ihrer Wirtschafts- oder Handwerkskammer, Ihrer Innung oder Ihrer Steuerberatung.
Zwei Handwerke, klare Grenzen
Die Gewerbeordnung trennt Dach und Blech. Die Grenze verläuft nicht immer dort, wo Kund:innen sie vermuten. Die folgende Übersicht hilft bei der ersten Einordnung. Im Einzelfall entscheidet der Wortlaut Ihrer Gewerbeberechtigung, und bei Zweifeln hilft die Landesinnung der Dachdecker, Glaser und Spengler.
| Arbeit | Dachdecker | Spengler |
|---|---|---|
| Steildach mit Ziegel, Betondachstein, Schiefer, Faserzement | Kerngeschäft | nein |
| Flachdachabdichtung mit Bitumen oder Kunststoffbahnen | Kerngeschäft | nur als ergänzende Leistung |
| Dachrinnen, Fallrohre, Kehlen, Kaminverwahrungen | einfache Anschlüsse im Zuge der Eindeckung | Kerngeschäft |
| Metalldach in Falztechnik, Blechfassade | nein | Kerngeschäft |
| Dachplatten aus Aluminium (Rauten, Schindeln) | ja, als Dacheindeckung | ja |
| Dachfenster, Unterdach, Dämmung auf dem Sparren | ja | nur ergänzend |
Wer gelegentlich in das andere Gewerbe hineinarbeitet, kann sich auf § 32 Abs. 1a GewO stützen: Ergänzende Leistungen eines reglementierten Gewerbes sind erlaubt, wenn sie die eigene Leistung wirtschaftlich sinnvoll ergänzen, höchstens 15 % des einzelnen Auftrags ausmachen und alle ergänzenden Leistungen zusammen 30 % des Jahresumsatzes nicht übersteigen. Ein Dachdecker darf also beim neuen Ziegeldach die Rinne gleich mitmontieren. Eine Spenglerei, die regelmäßig ganze Flachdächer abdichtet, braucht dagegen die Dachdeckerberechtigung.
Meisterprüfung und andere Wege zur Berechtigung
Beide Gewerbe sind Handwerke. Den Befähigungsnachweis erbringen Sie in der Regel mit der Meisterprüfung, die aus fünf Modulen besteht: den fachlichen Modulen (praktisch, mündlich und schriftlich), der Ausbilderprüfung und der Unternehmerprüfung. Wer eine Lehrabschlussprüfung im Beruf hat, bekommt Teile angerechnet. Die Prüfung legen Sie bei der Meisterprüfungsstelle Ihres Bundeslandes ab, Vorbereitungskurse gibt es am WIFI und an den Bauakademien.
Haben Sie keine Meisterprüfung, aber lange Erfahrung, kann die Gewerbebehörde einen individuellen Befähigungsnachweis nach § 19 GewO anerkennen. Dafür legen Sie Lehrzeugnis, Dienstzeugnisse und Nachweise über eigenverantwortliche Arbeiten vor. Die dritte Möglichkeit ist ein:e gewerberechtliche:r Geschäftsführer:in mit Meisterprüfung, der oder die mindestens zur Hälfte der wöchentlichen Normalarbeitszeit im Betrieb angestellt ist.

Absturzsicherung: das wichtigste Thema auf Ihrer Baustelle
Abstürze gehören zu den häufigsten Ursachen schwerer Arbeitsunfälle auf dem Bau, und auf dem Dach ist das Risiko am größten. Die Bauarbeiterschutzverordnung (BauV) regelt in den §§ 87 und 88 die Arbeiten auf Dächern. Die Grundregel lautet:
- Bei Dächern bis 20° Neigung und mehr als 3 m Absturzhöhe brauchen Sie Absturzsicherungen, Abgrenzungen oder Schutzeinrichtungen, etwa Geländer an der Traufe.
- Bei steileren Dächern verlangt die BauV geeignete Schutzeinrichtungen wie Dachschutzblenden oder Dachfanggerüste mit Schutzwand.
- Bis 3 m Absturzhöhe dürfen Sicherungen nur unter engen Bedingungen entfallen: günstige Witterung, unterwiesene und erfahrene Arbeitnehmer:innen. Über 45° Neigung ist persönliche Schutzausrüstung trotzdem Pflicht.
- Gemessen wird die Absturzhöhe bei üblichen Dächern von der Traufenkante lotrecht bis zur Auftrefffläche.
Nach dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) müssen Sie diese Gefahren evaluieren und dokumentieren, Ihre Leute unterweisen und Sicherheitsfachkraft und Arbeitsmedizin bereitstellen. Für Betriebe bis 50 Beschäftigte übernimmt das kostenlos AUVAsicher. Fassadengerüste mieten die meisten Dachbetriebe inklusive Auf- und Abbau, das Dachfanggerüst baut die eigene Mannschaft oft selbst. Planen Sie die Gerüstkosten in jedes Angebot ein, ein Kunde versteht eine eigene Position „Sicherheitseinrichtungen“ besser als einen unerklärt hohen Quadratmeterpreis.
BUAK: seit 2024 auch für Spenglerbetriebe
Dachdeckerbetriebe stehen schon immer im Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz (§ 2 Abs. 1 lit. c BUAG). Für Spengler war lange unklar, was gilt, bis der Verwaltungsgerichtshof 2023 entschied, dass das Eindecken mit vorgefertigten Metallplatten BUAG-pflichtig ist. Seit 1. Jänner 2024 sind Spenglerbetriebe deshalb ausdrücklich einbezogen, mit einer eigenen Übergangsregel in § 43 BUAG. Ausgenommen bleiben Lüftungs- und Galanteriespenglereien.
Für Sie heißt das: Jede:r Arbeiter:in, die oder der auf dem Dach arbeitet, wird bei der BUAK gemeldet, und Sie zahlen monatlich Zuschläge für Urlaub, Abfertigung und Überbrückungsgeld. Kalkulieren Sie das im Stundensatz ein. Welcher Kollektivvertrag für Löhne und Zulagen gilt, hängt von Ihrer Berechtigung ab. Die Landesinnung sagt Ihnen, welcher für Ihren Betrieb maßgeblich ist.
Sturm, Hagel, Notdienst: das Reparaturgeschäft
Nach einem Unwetter klingelt in jedem Dachbetrieb das Telefon ununterbrochen. Das ist ein guter Einstieg für Gründer:innen, wenn Sie ein paar Dinge vorbereiten:
Notsicherung anbieten
Plane, Latten, Ersatzziegel und Bleche im Bus, damit Sie ein Dach am selben Tag dicht bekommen. Verrechnen Sie die Notsicherung als eigene Leistung mit Anfahrt und Stundensatz.
Schaden dokumentieren
Fotos von oben und unten, Datum, betroffene Fläche. Die Versicherung der Kund:innen braucht diese Unterlagen, und Sie schützen sich vor dem Vorwurf, den Schaden größer gemacht zu haben.
Kostenvoranschlag schreiben
Ein Kostenvoranschlag gilt gegenüber Verbraucher:innen als verbindlich, wenn Sie nicht ausdrücklich das Gegenteil erklären (§ 5 KSchG). Ein Entgelt dafür dürfen Sie nur verlangen, wenn Sie vorher darauf hingewiesen haben.
Mit Gutachter:innen arbeiten
Bei größeren Schäden schickt die Versicherung eine:n Sachverständige:n. Seien Sie beim Termin dabei, das spart Rückfragen und beschleunigt die Freigabe.
Reparatur und Rechnung
Die Rechnung geht an die Kund:innen, nicht an die Versicherung, außer es gibt eine schriftliche Abtretung. Erklären Sie das am Anfang, damit es später keinen Streit gibt.
Versicherungen für den Dachbetrieb
| Versicherung | Wofür | Prämie rund |
|---|---|---|
| Betriebshaftpflicht | Personen- und Sachschäden, z. B. Wasserschaden nach Regen auf offenem Dach | 1.500 – 4.000 € |
| Bearbeitungs- und Tätigkeitsschäden | Schäden am Gebäude, an dem Sie arbeiten (oft als Zusatz zur Haftpflicht) | im Paket |
| Maschinen- und Werkzeugversicherung | Diebstahl vom Gerüst, Beschädigung von Kran oder Aufzug | 500 – 1.500 € |
| Kfz und Anhänger | Pritsche, Bus, Dachdeckeraufzug auf Anhänger | je Fahrzeug 800 – 2.000 € |
| Betriebsunterbrechung | Ausfall nach Unfall oder Brand in der Werkstatt | nach Umsatz |
Sie selbst sind über die SVS unfallversichert, Ihre Beschäftigten über die AUVA. Prüfen Sie zusätzlich eine private Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung: Eine Schulterverletzung beendet die Arbeit auf dem Dach schneller als in fast jedem anderen Beruf.
Was die Gründung kostet
Ein Dachbetrieb mit zwei bis drei Leuten kommt mit überschaubarem Kapital aus, wenn Sie Kran und Fassadengerüst mieten. Grob gerechnet (netto, Stand: November 2026): Pritsche oder Bus mit Anhänger 30.000 bis 50.000 €, Dachdeckeraufzug 4.000 bis 9.000 €, Werkzeug und Akkugeräte 6.000 bis 12.000 €, Schutzausrüstung und Dachfanggerüst 5.000 bis 10.000 €. Eine Spenglerei braucht zusätzlich Abkantbank, Rundbiegemaschine und Falzwerkzeug, je nach Größe 10.000 bis 40.000 €, und eine kleine Werkstatt. Dazu kommen Lager, Versicherungen und eine Reserve für den Winter, in dem auf dem Dach weniger geht.
So machen Sie es richtig
- Bei jeder Besichtigung Fotos machen und im Angebot verwenden
- Sicherheitsmaßnahmen als eigene Position ausweisen
- Wartungsverträge für Dachrinnen und Flachdächer anbieten, das bringt Arbeit im Winter
Lieber nicht
- Regelmäßig Flachdächer abdichten, wenn Sie nur das Spenglergewerbe haben
- Ohne Absturzsicherung „nur schnell“ eine Rinne reparieren
- Kostenvoranschläge ohne Hinweis auf Unverbindlichkeit abgeben, wenn Sie Spielraum brauchen
Gefunden werden, wenn der nächste Sturm kommt
Wir erstellen Ihnen einen kostenlosen Entwurf Ihrer Website mit Notdienstnummer, Leistungen und Referenzdächern. Nach drei Tagen sehen Sie das Ergebnis.
Kostenloser Entwurf Ihrer künftigen Betriebs-Website.
Online sichtbar: Notdienst und Referenzdächer
Wer nach einem Sturm „Dachdecker in der Nähe“ sucht, ruft die ersten zwei Treffer an. Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mit Öffnungszeiten, Notdienstnummer und Fotos ist deshalb Pflicht. Auf der Website zeigen Sie fertige Dächer mit Material und Ort und schreiben, welche Gewerbe Sie haben. Das Impressum braucht Ihre Gewerbeberechtigungen und die Gewerbebehörde, mehr dazu bei den Pflichtangaben in Österreich. Den passenden Text erstellt der Impressum-Generator, und mit dem Bewertungs-QR-Code bitten Sie zufriedene Kund:innen nach der Abnahme um eine Bewertung.

Checkliste: Dachbetrieb in Österreich
- Gewerbe gewählt: Dachdecker, Spengler oder beide
- Befähigungsnachweis oder gewerberechtliche:r Geschäftsführer:in
- Gewerbe über GISA angemeldet, Landesinnung und SVS erledigt
- BUAK-Meldung für alle Arbeiter:innen
- Evaluierung Absturz und AUVAsicher-Betreuung
- Betriebshaftpflicht mit Bearbeitungsschäden
- Notsicherungsmaterial und Fotodokumentation vorbereitet
- Google-Profil und Website mit Notdienstnummer
Die Schritte, die für jeden Handwerksbetrieb gelten, von SVS bis Steuernummer, lesen Sie im Leitfaden Handwerksbetrieb gründen in Österreich.
Quellen
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 94 (reglementierte Gewerbe)
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 32 (Nebenrechte)
- RIS – Bauarbeiterschutzverordnung
- RIS – Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz
- BUAK – FAQs zur Einbeziehung von Spenglerbetrieben (PDF)
- WKO – Lüftungs-, Galanterie- und Autospengler und BUAK
- RIS – Konsumentenschutzgesetz, § 5
- AUVA – AUVAsicher



