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Betriebsgründung

Tischlerei gründen in Österreich: Werkstatt, Maschinen und die erste Kalkulation

Eine Tischlerei ist kapitalintensiver als die meisten anderen Ausbaugewerke. Sie brauchen eine Werkstatt, die genehmigt ist, Maschinen, die Staub und Lärm im Griff haben, und eine Antwort auf die Frage, ob Sie Platten selbst auf einer CNC bearbeiten oder zukaufen. Dazu kommt die Gewerbeberechtigung für ein reglementiertes Handwerk. Dieser Leitfaden ordnet die Entscheidungen so, dass Sie keine teure Maschine in eine Halle stellen, in der Sie gar nicht arbeiten dürfen.

7 Min. LesezeitStand: November 2026

Tischler mit Schürze hobelt ein Werkstück an der Hobelbank

Das Wichtigste in Kürze

  • Tischler gehört zum verbundenen Handwerk nach § 94 Z 71 GewO. Neben der Meisterprüfung erkennt die Zugangsverordnung auch HTL- und FH-Abschlüsse mit Praxis an.
  • Eine Werkstatt mit Maschinen ist in aller Regel eine genehmigungspflichtige Betriebsanlage (§ 74 und § 77 GewO). Klären Sie Widmung und Genehmigung, bevor Sie den Mietvertrag unterschreiben.
  • Hartholzstaub ist krebserzeugend. Für ihn gilt EU-weit ein Grenzwert von 2 mg/m³; ohne wirksame Absaugung an jeder Maschine geht es nicht.
  • Eine eigene CNC lohnt sich erst bei hoher Auslastung. Für den Start ist der Zuschnitt beim Plattenhändler oder die Lohnfertigung bei Kolleg:innen oft wirtschaftlicher.
  • Kalkulieren Sie mit Maschinenstundensätzen und getrennten Montagestunden, nicht mit einem einzigen Pauschalsatz.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorschriften ändern sich: Prüfen Sie Details bei Ihrer Wirtschafts- oder Handwerkskammer, Ihrer Innung oder Ihrer Steuerberatung.

Die Berechtigung: Tischler im verbundenen Handwerk

§ 94 Z 71 GewO fasst „Tischler; Modellbauer; Bootbauer; Binder; Drechsler; Bildhauer“ zu einem verbundenen Handwerk zusammen. Für Möbel, Innenausbau, Türen und Fenster melden Sie das Gewerbe „Tischler“ an. Die Zugangsverordnung (BGBl. II Nr. 91/2003) ist bei Tischler:innen offener als bei vielen Baugewerben, weil sie schulische Wege ausdrücklich anerkennt:

Befähigungswege für Tischler (Auswahl, Stand: November 2026)
AusbildungZusätzlich nötig
Meisterprüfungnichts, die Meisterprüfung enthält die Unternehmerprüfung
FH-Studiengang Innenraumgestaltung und Holztechnikmindestens 1 Jahr fachliche Tätigkeit
HTL Innenraumgestaltung und Holztechnik oder Kunst und Design mit Handwerksschwerpunktmindestens 1,5 Jahre fachliche Tätigkeit
Werkmeisterschule, Meisterschule oder Fachakademie TischlereiUnternehmerprüfung und 2 Jahre fachliche Tätigkeit
Lehrabschluss Tischlereianschließend mehrjährige Tätigkeit als Selbstständige:r, Betriebsleiter:in oder in leitender Stellung

Wer keinen dieser Wege erfüllt, kann bei der Gewerbebehörde den individuellen Befähigungsnachweis nach § 19 GewO beantragen oder eine:n befähigte:n gewerberechtliche:n Geschäftsführer:in bestellen (§ 39 GewO). Für manche Tätigkeiten brauchen Sie die volle Berechtigung gar nicht: Der Zusammenbau von Möbelsätzen ist nach § 162 GewO ein freies Gewerbe. Das reicht für Montagedienste, aber nicht für maßgefertigte Möbel.

Die Werkstatt: Betriebsanlage, Lärm und Staub

Formatkreissäge, Kantenanleimmaschine, Absauganlage und Kompressor machen eine Halle zur Betriebsanlage im Sinne von § 74 GewO. Sie braucht eine Genehmigung, wenn sie Nachbar:innen durch Lärm, Staub oder Geruch belästigen oder Arbeitnehmer:innen gefährden kann, und das ist bei einer Tischlerei praktisch immer der Fall. Kleinere Anlagen werden oft im vereinfachten Verfahren nach § 359b GewO genehmigt, das deutlich schneller geht.

  1. 1

    Widmung prüfen

    Fragen Sie bei der Gemeinde, ob die Liegenschaft für eine Tischlerei gewidmet ist. In Wohngebieten ist eine Werkstatt mit Maschinen meist schwer genehmigungsfähig, Betriebs- oder Gewerbegebiete sind einfacher.

  2. 2

    Vorbesprechung bei der Behörde

    Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat bieten Projektsprechtage an. Bringen Sie einen Grundriss mit Maschinenaufstellung, Absaugung, Lackierplatz und Lager mit.

  3. 3

    Einreichunterlagen

    Betriebsbeschreibung, Maschinenliste mit Schallleistung, Pläne, Lüftungs- und Absaugkonzept, Brandschutz und Abfallkonzept. Ein:e Planer:in mit Erfahrung bei Gewerbeanlagen spart hier Monate.

  4. 4

    Verhandlung und Bescheid

    Im ordentlichen Verfahren gibt es eine mündliche Verhandlung mit Nachbar:innen und Sachverständigen. Der Bescheid enthält Auflagen, etwa Betriebszeiten oder Schallschutzmaßnahmen. Halten Sie sie ein und dokumentieren Sie das.

Hände zeichnen mit Bleistift auf einem Holzbrett zwischen Hobelspänen an

Holzstaub: Grenzwert, Absaugung, Atemschutz

Staub von Harthölzern wie Eiche und Buche ist als krebserzeugend eingestuft. Seit 2023 gilt dafür EU-weit ein Arbeitsplatzgrenzwert von 2 mg/m³, in Österreich umgesetzt über die Grenzwerteverordnung. Für Sie als Arbeitgeber:in heißt das:

  • Jede stauberzeugende Maschine bekommt eine Absaugung, die zur Maschine passt; Handmaschinen arbeiten mit Entstauber.
  • Kehren und Abblasen mit Druckluft sind tabu, gereinigt wird mit Industriesauger.
  • In der Arbeitsplatzevaluierung beschreiben Sie Holzstaub, Lärm, Lacke und Maschinen. Die AUVA unterstützt Betriebe bis 50 Beschäftigte mit AUVAsicher kostenlos.
  • Späne und Staub sind brennbar. Absauganlage, Silo und Filter gehören ins Brandschutz- und Explosionsschutzkonzept.

CNC kaufen oder Lohnfertigung?

Ein CNC-Bearbeitungszentrum ist für viele Gründer:innen der Traum. Rechnen Sie nüchtern: Ein neues Gerät für Plattenbearbeitung kostet je nach Ausstattung rund 100.000 bis 300.000 €, gebrauchte Maschinen gibt es ab etwa 40.000 €. Dazu kommen Software, Schulung, Fundament, Absaugung und Wartung. Die Alternative: Sie lassen Platten beim Händler zuschneiden und bekanten oder kaufen CNC-Stunden bei einer befreundeten Tischlerei zu.

CNC oder Zukauf: Entscheidungshilfe
KriteriumEigene CNCZuschnitt und Lohnfertigung
Investitionhoch, plus laufende Kostengering
Auslastunglohnt sich erst bei regelmäßiger Serien- oder Korpusfertigungflexibel, Sie zahlen nur, was Sie brauchen
LieferzeitSie bestimmen sie selbstabhängig vom Partner, oft einige Tage
Know-howCAD/CAM-Kenntnisse im Team nötigDatenübergabe reicht
RisikoAusfall und Kredit laufen auch in ruhigen Monatengering

Eine bewährte Reihenfolge: Mit Formatkreissäge, Kantenanleimer und Zuschnitt beim Händler starten, die Auftragsart beobachten und erst investieren, wenn Sie die Maschine an drei bis vier Tagen pro Woche auslasten würden.

Montage beim Kunden: Normen und CE

Gerade im Innenausbau entscheidet die Montage über die Zufriedenheit. Vertraglich hilft die Werkvertragsnorm ÖNORM B 2217 (Bautischlerarbeiten), wenn Sie sie vereinbaren. Für den Einbau von Fenstern und Türen in Wände beschreibt die ÖNORM B 5320 Planung und Ausführung der Anschlüsse. Wer Fenster oder Außentüren selbst herstellt, braucht nach der Produktnorm EN 14351-1 eine Leistungserklärung und die CE-Kennzeichnung. Viele kleine Betriebe nutzen dafür die Prüfnachweise ihres Beschlag- oder Systemlieferanten.

Kalkulation am Beispiel eines Einbauschranks

Ein Kundenauftrag: Einbauschrank in einer Dachschräge, 3,2 m breit, Korpus aus beschichteter Spanplatte, Fronten lackiert. Die Werte sind Annahmen zur Illustration:

Rechenbeispiel Einbauschrank (Annahmen, netto)
PositionAnsatzBetrag
MaterialPlatten, Kanten, Beschläge, Lack inkl. 15 % Verschnitt1.450 €
Planung und Aufmaß4 h zu 68 €272 €
Werkstatt16 h Bankarbeit zu 64 € plus 6 Maschinenstunden zu 85 €1.534 €
Lackierung Fronten5 h zu 64 €320 €
Montage2 Personen, je 7 h zu 62 €, plus Anfahrt940 €
Summe4.516 € plus Wagnis und Gewinn rund 10 %rund 4.970 €

Der wichtigste Punkt: Trennen Sie Werkstatt-, Maschinen- und Montagestunden. Eine Maschinenstunde trägt Abschreibung, Strom und Wartung und ist teurer als eine Bankstunde. Wer alles mit einem Durchschnittssatz rechnet, verdient an maschinenintensiven Aufträgen zu wenig.

Regal mit beschrifteten Ordnern in einem Büro
Betriebsanlagenbescheid, Evaluierung, Maschinenprüfungen: Ordnung im Büro spart Ärger bei Kontrollen.

So machen Sie es richtig

  • Widmung und Betriebsanlagengenehmigung vor dem Mietvertrag klären
  • Absaugung gleich mit den Maschinen planen
  • Maschinenstundensätze getrennt kalkulieren
  • Referenzfotos fertiger Küchen und Einbauten sammeln, mit Zustimmung der Kund:innen

Lieber nicht

  • Eine CNC finanzieren, bevor die Auftragslage sie trägt
  • In einer Garage ohne Genehmigung mit Maschinen arbeiten
  • Fenster ohne Leistungserklärung verkaufen
  • Montage als „geht schnell“ pauschal mitkalkulieren

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Quellen

Kurz beantwortet

Fragen zu diesem Thema

Kann ich mit HTL-Abschluss eine Tischlerei eröffnen?

Ja, wenn die HTL einen Schwerpunkt in Innenraumgestaltung und Holztechnik oder Kunst und Design mit Bezug zum Tischlerhandwerk hatte und Sie danach mindestens eineinhalb Jahre fachlich tätig waren. Mit einem passenden FH-Studium reicht ein Jahr Praxis.

Brauche ich für meine Tischlerwerkstatt eine Genehmigung?

In aller Regel ja. Eine Werkstatt mit Holzbearbeitungsmaschinen kann Nachbar:innen durch Lärm und Staub beeinträchtigen und ist damit eine genehmigungspflichtige Betriebsanlage nach der Gewerbeordnung. Kleinere Anlagen werden oft im vereinfachten Verfahren genehmigt.

Darf ich in der Garage als Tischler arbeiten?

Nur, wenn Widmung und Betriebsanlagengenehmigung das erlauben. Für Planung, Büro und Montage ohne eigene Fertigung reicht oft ein kleiner Raum. Sobald Sie Maschinen betreiben, brauchen Sie einen genehmigten Standort.

Lohnt sich eine CNC-Maschine für eine kleine Tischlerei?

Erst bei regelmäßiger Auslastung. Neu kosten Plattenbearbeitungszentren rund 100.000 bis 300.000 €. Für den Start ist der Zuschnitt beim Plattenhändler oder das Zukaufen von CNC-Stunden meist günstiger und risikoärmer.

Was gilt für Holzstaub in meiner Werkstatt?

Für Hartholzstaub gilt ein Grenzwert von 2 mg/m³. Sie brauchen eine wirksame Absaugung an den Maschinen, eine Arbeitsplatzevaluierung und für Mitarbeiter:innen passende Schutzmaßnahmen. Die AUVA berät kleinere Betriebe kostenlos.

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