Das Wichtigste in Kürze
- Tischler gehört zum verbundenen Handwerk nach § 94 Z 71 GewO. Neben der Meisterprüfung erkennt die Zugangsverordnung auch HTL- und FH-Abschlüsse mit Praxis an.
- Eine Werkstatt mit Maschinen ist in aller Regel eine genehmigungspflichtige Betriebsanlage (§ 74 und § 77 GewO). Klären Sie Widmung und Genehmigung, bevor Sie den Mietvertrag unterschreiben.
- Hartholzstaub ist krebserzeugend. Für ihn gilt EU-weit ein Grenzwert von 2 mg/m³; ohne wirksame Absaugung an jeder Maschine geht es nicht.
- Eine eigene CNC lohnt sich erst bei hoher Auslastung. Für den Start ist der Zuschnitt beim Plattenhändler oder die Lohnfertigung bei Kolleg:innen oft wirtschaftlicher.
- Kalkulieren Sie mit Maschinenstundensätzen und getrennten Montagestunden, nicht mit einem einzigen Pauschalsatz.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorschriften ändern sich: Prüfen Sie Details bei Ihrer Wirtschafts- oder Handwerkskammer, Ihrer Innung oder Ihrer Steuerberatung.
Die Berechtigung: Tischler im verbundenen Handwerk
§ 94 Z 71 GewO fasst „Tischler; Modellbauer; Bootbauer; Binder; Drechsler; Bildhauer“ zu einem verbundenen Handwerk zusammen. Für Möbel, Innenausbau, Türen und Fenster melden Sie das Gewerbe „Tischler“ an. Die Zugangsverordnung (BGBl. II Nr. 91/2003) ist bei Tischler:innen offener als bei vielen Baugewerben, weil sie schulische Wege ausdrücklich anerkennt:
| Ausbildung | Zusätzlich nötig |
|---|---|
| Meisterprüfung | nichts, die Meisterprüfung enthält die Unternehmerprüfung |
| FH-Studiengang Innenraumgestaltung und Holztechnik | mindestens 1 Jahr fachliche Tätigkeit |
| HTL Innenraumgestaltung und Holztechnik oder Kunst und Design mit Handwerksschwerpunkt | mindestens 1,5 Jahre fachliche Tätigkeit |
| Werkmeisterschule, Meisterschule oder Fachakademie Tischlerei | Unternehmerprüfung und 2 Jahre fachliche Tätigkeit |
| Lehrabschluss Tischlerei | anschließend mehrjährige Tätigkeit als Selbstständige:r, Betriebsleiter:in oder in leitender Stellung |
Wer keinen dieser Wege erfüllt, kann bei der Gewerbebehörde den individuellen Befähigungsnachweis nach § 19 GewO beantragen oder eine:n befähigte:n gewerberechtliche:n Geschäftsführer:in bestellen (§ 39 GewO). Für manche Tätigkeiten brauchen Sie die volle Berechtigung gar nicht: Der Zusammenbau von Möbelsätzen ist nach § 162 GewO ein freies Gewerbe. Das reicht für Montagedienste, aber nicht für maßgefertigte Möbel.
Die Werkstatt: Betriebsanlage, Lärm und Staub
Formatkreissäge, Kantenanleimmaschine, Absauganlage und Kompressor machen eine Halle zur Betriebsanlage im Sinne von § 74 GewO. Sie braucht eine Genehmigung, wenn sie Nachbar:innen durch Lärm, Staub oder Geruch belästigen oder Arbeitnehmer:innen gefährden kann, und das ist bei einer Tischlerei praktisch immer der Fall. Kleinere Anlagen werden oft im vereinfachten Verfahren nach § 359b GewO genehmigt, das deutlich schneller geht.
Widmung prüfen
Fragen Sie bei der Gemeinde, ob die Liegenschaft für eine Tischlerei gewidmet ist. In Wohngebieten ist eine Werkstatt mit Maschinen meist schwer genehmigungsfähig, Betriebs- oder Gewerbegebiete sind einfacher.
Vorbesprechung bei der Behörde
Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat bieten Projektsprechtage an. Bringen Sie einen Grundriss mit Maschinenaufstellung, Absaugung, Lackierplatz und Lager mit.
Einreichunterlagen
Betriebsbeschreibung, Maschinenliste mit Schallleistung, Pläne, Lüftungs- und Absaugkonzept, Brandschutz und Abfallkonzept. Ein:e Planer:in mit Erfahrung bei Gewerbeanlagen spart hier Monate.
Verhandlung und Bescheid
Im ordentlichen Verfahren gibt es eine mündliche Verhandlung mit Nachbar:innen und Sachverständigen. Der Bescheid enthält Auflagen, etwa Betriebszeiten oder Schallschutzmaßnahmen. Halten Sie sie ein und dokumentieren Sie das.

Holzstaub: Grenzwert, Absaugung, Atemschutz
Staub von Harthölzern wie Eiche und Buche ist als krebserzeugend eingestuft. Seit 2023 gilt dafür EU-weit ein Arbeitsplatzgrenzwert von 2 mg/m³, in Österreich umgesetzt über die Grenzwerteverordnung. Für Sie als Arbeitgeber:in heißt das:
- Jede stauberzeugende Maschine bekommt eine Absaugung, die zur Maschine passt; Handmaschinen arbeiten mit Entstauber.
- Kehren und Abblasen mit Druckluft sind tabu, gereinigt wird mit Industriesauger.
- In der Arbeitsplatzevaluierung beschreiben Sie Holzstaub, Lärm, Lacke und Maschinen. Die AUVA unterstützt Betriebe bis 50 Beschäftigte mit AUVAsicher kostenlos.
- Späne und Staub sind brennbar. Absauganlage, Silo und Filter gehören ins Brandschutz- und Explosionsschutzkonzept.
CNC kaufen oder Lohnfertigung?
Ein CNC-Bearbeitungszentrum ist für viele Gründer:innen der Traum. Rechnen Sie nüchtern: Ein neues Gerät für Plattenbearbeitung kostet je nach Ausstattung rund 100.000 bis 300.000 €, gebrauchte Maschinen gibt es ab etwa 40.000 €. Dazu kommen Software, Schulung, Fundament, Absaugung und Wartung. Die Alternative: Sie lassen Platten beim Händler zuschneiden und bekanten oder kaufen CNC-Stunden bei einer befreundeten Tischlerei zu.
| Kriterium | Eigene CNC | Zuschnitt und Lohnfertigung |
|---|---|---|
| Investition | hoch, plus laufende Kosten | gering |
| Auslastung | lohnt sich erst bei regelmäßiger Serien- oder Korpusfertigung | flexibel, Sie zahlen nur, was Sie brauchen |
| Lieferzeit | Sie bestimmen sie selbst | abhängig vom Partner, oft einige Tage |
| Know-how | CAD/CAM-Kenntnisse im Team nötig | Datenübergabe reicht |
| Risiko | Ausfall und Kredit laufen auch in ruhigen Monaten | gering |
Eine bewährte Reihenfolge: Mit Formatkreissäge, Kantenanleimer und Zuschnitt beim Händler starten, die Auftragsart beobachten und erst investieren, wenn Sie die Maschine an drei bis vier Tagen pro Woche auslasten würden.
Montage beim Kunden: Normen und CE
Gerade im Innenausbau entscheidet die Montage über die Zufriedenheit. Vertraglich hilft die Werkvertragsnorm ÖNORM B 2217 (Bautischlerarbeiten), wenn Sie sie vereinbaren. Für den Einbau von Fenstern und Türen in Wände beschreibt die ÖNORM B 5320 Planung und Ausführung der Anschlüsse. Wer Fenster oder Außentüren selbst herstellt, braucht nach der Produktnorm EN 14351-1 eine Leistungserklärung und die CE-Kennzeichnung. Viele kleine Betriebe nutzen dafür die Prüfnachweise ihres Beschlag- oder Systemlieferanten.
Kalkulation am Beispiel eines Einbauschranks
Ein Kundenauftrag: Einbauschrank in einer Dachschräge, 3,2 m breit, Korpus aus beschichteter Spanplatte, Fronten lackiert. Die Werte sind Annahmen zur Illustration:
| Position | Ansatz | Betrag |
|---|---|---|
| Material | Platten, Kanten, Beschläge, Lack inkl. 15 % Verschnitt | 1.450 € |
| Planung und Aufmaß | 4 h zu 68 € | 272 € |
| Werkstatt | 16 h Bankarbeit zu 64 € plus 6 Maschinenstunden zu 85 € | 1.534 € |
| Lackierung Fronten | 5 h zu 64 € | 320 € |
| Montage | 2 Personen, je 7 h zu 62 €, plus Anfahrt | 940 € |
| Summe | 4.516 € plus Wagnis und Gewinn rund 10 % | rund 4.970 € |
Der wichtigste Punkt: Trennen Sie Werkstatt-, Maschinen- und Montagestunden. Eine Maschinenstunde trägt Abschreibung, Strom und Wartung und ist teurer als eine Bankstunde. Wer alles mit einem Durchschnittssatz rechnet, verdient an maschinenintensiven Aufträgen zu wenig.

So machen Sie es richtig
- Widmung und Betriebsanlagengenehmigung vor dem Mietvertrag klären
- Absaugung gleich mit den Maschinen planen
- Maschinenstundensätze getrennt kalkulieren
- Referenzfotos fertiger Küchen und Einbauten sammeln, mit Zustimmung der Kund:innen
Lieber nicht
- Eine CNC finanzieren, bevor die Auftragslage sie trägt
- In einer Garage ohne Genehmigung mit Maschinen arbeiten
- Fenster ohne Leistungserklärung verkaufen
- Montage als „geht schnell“ pauschal mitkalkulieren
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Die Schritte, die jedes Gewerbe in Österreich durchläuft, von GISA bis SVS, beschreibt Betrieb gründen in Österreich. Was auf Website und Briefpapier stehen muss, zeigt Pflichtangaben in Österreich. Wenn Sie Lehrlinge oder Gesell:innen suchen, hilft der Beitrag Mitarbeiter finden.
Quellen
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 94 (reglementierte Gewerbe)
- RIS – Zugangsvoraussetzungen Tischler, Modellbauer, Bootbauer, Binder, Drechsler, Bildhauer
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 74 (Betriebsanlagen)
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 77 (Genehmigung)
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 359b (vereinfachtes Verfahren)
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 162 (freie Gewerbe)
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 39 (gewerberechtlicher Geschäftsführer)
- WKO – Normenliste Tischler und Holzgestalter (Stand 4/2024)
- AUVA – AUVAsicher
- GISA – Gewerbeinformationssystem Austria


