Das Wichtigste in Kürze
- Metallbauer ist Nr. 13 der Anlage A der Handwerksordnung. Ohne Eintragung in die Handwerksrolle dürfen Sie das Handwerk nicht selbstständig betreiben.
- Tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium brauchen eine CE-Kennzeichnung nach EN 1090-1. Dafür lassen Sie Ihre werkseigene Produktionskontrolle zertifizieren und benennen eine Schweißaufsicht.
- Ihre Berufsgenossenschaft ist die BGHM (Holz und Metall). Anmeldung binnen einer Woche nach Betriebsbeginn.
- Für Geländer gelten die Landesbauordnungen: nach der Musterbauordnung meist mindestens 0,90 m Höhe, ab 12 m Absturzhöhe 1,10 m, in Arbeitsstätten 1,00 m.
- Kraftbetätigte Tore sind Maschinen. Ab 20. Januar 2027 gilt dafür die neue EU-Maschinenverordnung, Wartung und jährliche Prüfung sind ein eigenes Geschäftsfeld.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorschriften ändern sich: Prüfen Sie Details bei Ihrer Wirtschafts- oder Handwerkskammer, Ihrer Innung oder Ihrer Steuerberatung.
Der Markt: wer kauft Metallbau?
Ein typischer kleiner Metallbaubetrieb hat drei Standbeine. Privatkund:innen wollen Balkongeländer, Hoftore, Zäune, Vordächer und Außentreppen, oft beim Neubau oder nach dem Hauskauf. Bauunternehmen und Bauträger brauchen Treppen, Stahlträger, Absturzsicherungen und Fluchttreppen. Gewerbe und Hausverwaltungen zahlen für Wartung von Toren, Reparaturen und kleine Umbauten. Die Margen sind bei Privatkund:innen am besten, die Volumen bei Bauträgern am größten, und die Wartung gleicht die Saison aus.
| Produkt | Wichtigste Vorgaben | Hinweis für die Kalkulation |
|---|---|---|
| Balkon- und Treppengeländer | Landesbauordnung (Höhe, Öffnungen, Kletterschutz), Lastannahmen | Aufmaß vor Ort, Befestigung im Bestand prüfen |
| Außen- und Spindeltreppen | DIN 18065 (Steigung, Auftritt, Laufbreite), EN 1090 bei tragender Funktion | Statik oft zukaufen |
| Vordächer, Balkone, Carports | EN 1090-1 mit CE-Kennzeichnung, Statik, ggf. Baugenehmigung | Zertifizierung ist Voraussetzung |
| Kraftbetätigte Tore | EN 13241 (Produktnorm), Maschinenrecht, Prüfung nach ASR A1.7 | Wartungsvertrag gleich mit anbieten |
| Zäune, Handläufe ohne Absturzfunktion | wenige formale Vorgaben | guter Einstieg, schnelle Referenzen |
Meisterpflicht und Handwerksrolle
Die Ausbildung zum Metallbauer kennt die Fachrichtungen Konstruktionstechnik, Metallgestaltung und Nutzfahrzeugbau. Für die Selbstständigkeit zählt aber nur die Eintragung in die Handwerksrolle, und dafür gibt es diese Wege:
- Meisterprüfung im Metallbauerhandwerk (vier Teile: Fachpraxis, Fachtheorie, Betriebswirtschaft und Recht, Berufs- und Arbeitspädagogik). Teil III und IV legen viele vorab ab.
- Gleichwertige Abschlüsse nach § 7 Abs. 2 HwO, etwa ein Ingenieurstudium Maschinenbau oder Stahlbau oder staatlich geprüfte:r Techniker:in in passender Fachrichtung.
- Betriebsleiter:in: Ein:e angestellte:r Metallbauermeister:in übernimmt die fachliche Leitung.
- Ausübungsberechtigung nach § 7b HwO: Gesellenprüfung und sechs Jahre Tätigkeit im Handwerk, davon vier in leitender Stellung, zum Beispiel als Montageleiter:in oder Werkstattmeister:in ohne Titel.
- Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO, wenn Sie die Kenntnisse anders belegen können.

EN 1090: der Schritt, der über große Aufträge entscheidet
Wer tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium herstellt, muss nach EU-Bauproduktenrecht eine Leistungserklärung ausstellen und das Bauteil mit CE kennzeichnen. Grundlage ist die harmonisierte Norm EN 1090-1. Die neue Bauprodukteverordnung (EU) 2024/3110 gilt seit dem 8. Januar 2026 und löst die alte Verordnung schrittweise ab. Für Metallbauer bleibt die EN 1090 in der Übergangszeit der Maßstab. Die Ausführungsklasse (EXC1 bis EXC4) legt die Tragwerksplanung fest. Für die meisten Arbeiten im Hochbau, also Vordächer, Bühnen, Balkone und Hallen, ist EXC2 gefragt.
Ausführungsklasse wählen
Prüfen Sie, welche Bauteile Sie anbieten wollen. EXC2 deckt den Großteil des Hochbaus ab. EXC3 lohnt sich für kleine Betriebe selten.
Schweißaufsicht benennen
Für EXC2 reicht bei üblichen Baustählen und Blechdicken oft eine Schweißaufsicht mit Basiskenntnissen, etwa Schweißfachmann (IWS). Dickere Bleche, höherfeste Stähle oder EXC3 verlangen Schweißtechniker (IWT) oder Schweißfachingenieur (IWE). Kurse bietet der DVS an.
Schweißer:innen prüfen lassen
Jede:r Schweißer:in braucht eine gültige Prüfung nach EN ISO 9606-1 für die eingesetzten Verfahren und Positionen, für Aluminium nach 9606-2.
WPK aufbauen
Werkseigene Produktionskontrolle dokumentieren: Materialeingang mit Prüfzeugnissen, Rückverfolgbarkeit, Schweißanweisungen (WPS), Verfahrensprüfungen (WPQR), Endkontrolle, Prüfmittel.
Zertifizieren lassen
Eine notifizierte Stelle auditiert den Betrieb, stellt das Zertifikat aus und überwacht danach regelmäßig. Kalkulieren Sie für das erste Jahr grob 5.000 bis 12.000 € inklusive Beratung und Verfahrensprüfungen (Erfahrungswerte, Stand: November 2026).
Ein Zertifikat nach EN ISO 3834 (Qualitätsanforderungen beim Schweißen) ergänzt die EN 1090 und wird von manchen Industriekund:innen zusätzlich verlangt. Für den Start brauchen Sie es meist nicht.
Geländer und Tore: zwei Felder mit eigenen Regeln
Wie hoch ein Geländer sein muss, regelt nicht eine DIN-Norm, sondern die Landesbauordnung. Die Musterbauordnung, an der sich die Länder orientieren, nennt für notwendige Umwehrungen mindestens 0,90 m bis 12 m Absturzhöhe und 1,10 m darüber. In Arbeitsstätten verlangt die ASR A2.1 mindestens 1,00 m. Dazu kommen Vorgaben gegen das Hochklettern und zu Öffnungsweiten, die nicht in jedem Land gleich formuliert sind. Lesen Sie die Bauordnung Ihres Landes und die zugehörige Verwaltungsvorschrift, bevor Sie Ihre Standardmaße festlegen. Das spart Diskussionen bei der Abnahme.
Kraftbetätigte Tore unterliegen der Produktnorm EN 13241 und dem Maschinenrecht. Ab dem 20. Januar 2027 ersetzt die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 die bisherige Maschinenrichtlinie. Wer Tore mit Antrieb baut, stellt eine Konformitätserklärung aus, und Betreiber:innen müssen die Tore nach ASR A1.7 vor der ersten Inbetriebnahme und danach mindestens jährlich sachkundig prüfen lassen. Dieser Prüf- und Wartungsmarkt ist für Gründer:innen interessant: planbare Termine, wiederkehrende Kund:innen, gut im Winter.
Behörden und Versicherungen
Anmeldungen in der richtigen Reihenfolge
- Handwerkskammer: Eintragung in die Handwerksrolle als Metallbauer
- Gewerbeamt: Gewerbeanmeldung mit Eintragungsbescheinigung
- Finanzamt: steuerliche Erfassung, USt-IdNr., Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG für Montagen an Bauwerken
- BGHM: Anmeldung binnen einer Woche, Unternehmerversicherung für Inhaber:innen prüfen
- Agentur für Arbeit und Krankenkasse: Betriebsnummer, Beschäftigte anmelden
- Handelsregister bei GmbH: 25.000 € Stammkapital, mindestens 12.500 € eingezahlt
Montieren Sie Geländer oder Treppen an Gebäuden, sind das Bauleistungen. Unternehmerische Auftraggeber:innen behalten ohne Freistellungsbescheinigung 15 % Bauabzugsteuer ein, und für Nachunternehmerleistungen an Baufirmen kann die Steuerschuld nach § 13b UStG auf den Auftraggeber übergehen. Die Kleinunternehmerregelung (bis 25.000 € Vorjahres- und 100.000 € laufendem Umsatz) passt für Metallbau selten, weil schon das Material einen großen Teil des Umsatzes ausmacht. Bei Versicherungen sind Betriebshaftpflicht mit Bearbeitungsschäden, Maschinen- und Elektronikversicherung und die Inhaltsversicherung für die Werkstatt Standard. Wer EN-1090-Bauteile liefert, sollte zusätzlich eine erweiterte Produkthaftpflicht prüfen.
Zwei Startmodelle und was sie kosten
| Posten | Montagebetrieb (rund) | Fertigung mit Werkstatt (rund) |
|---|---|---|
| Transporter oder Pritsche mit Anhänger | 30.000 – 45.000 € | 35.000 – 55.000 € |
| Schweißtechnik (MAG, WIG) | 3.000 – 6.000 € | 8.000 – 20.000 € |
| Sägen, Bohren, Biegen, Kanten | 2.000 – 5.000 € (mobil) | 25.000 – 80.000 € |
| Schweißtisch, Kran, Absaugung | entfällt | 10.000 – 30.000 € |
| EN-1090-Zertifizierung, erstes Jahr | nur bei Bedarf | 5.000 – 12.000 € |
| Software (Kalkulation, CAD, Zeiterfassung) | 1.000 – 3.000 € pro Jahr | 2.000 – 6.000 € pro Jahr |
Viele starten als Montagebetrieb: Sie montieren und reparieren, lassen Teile bei einem Lohnfertiger schneiden, kanten und verzinken und bauen die eigene Werkstatt erst auf, wenn die Aufträge da sind. Andere übernehmen eine bestehende Schlosserei, deren Inhaber:in keine Nachfolge hat. Das bringt Halle, Maschinen und Kundenstamm auf einmal, aber auch alte Genehmigungen, die Sie vor dem Kauf prüfen sollten.

So machen Sie es richtig
- Werkstattzeichnung vor der Fertigung freigeben lassen
- Wartungsverträge für Tore gleich beim Verkauf anbieten
- Fotos jedes fertigen Geländers mit Material und Oberfläche sammeln
Lieber nicht
- Vordächer oder Balkone ohne CE-Kennzeichnung liefern
- Geländerhöhen aus einem anderen Bundesland übernehmen
- Schweißer:innen mit abgelaufener Prüfung an tragenden Teilen einsetzen
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Gefunden werden
Privatkund:innen suchen konkret: „Balkongeländer Edelstahl“, „Hoftor nach Maß“, „Außentreppe verzinkt“. Eine Website mit einer Seite pro Produktgruppe und echten Fotos holt diese Suchen ab, mehr dazu im Beitrag lokales SEO. Für Bauträger und Architekt:innen zählt, dass Ihre EN-1090-Klasse und Ihre Ansprechpartner:innen sofort zu finden sind. Ins Impressum gehören Handwerkskammer und Berufsbezeichnung, siehe Pflichtangaben für Deutschland und Impressum-Generator. Was eine Website insgesamt kostet, zeigt der Beitrag Website-Kosten.
Die Schritte, die für alle Gewerke gelten, finden Sie im Leitfaden Handwerksbetrieb gründen in Deutschland. Wenn Sie Personal suchen, hilft der Beitrag Mitarbeiter:innen finden.



